Wir haben viel zu viele Schulabbrecherinnen und Schulabbrecher.

Jahr für Jahr scheiden tausende Schülerinnen und Schüler vorzeitig und ohne Bildungsabschluss aus dem System aus.

Damit sind sie in ihrem privaten und gesellschaftlichen Leben und beim Eintritt in die Berufswelt beeinträchtigt: Fast die Hälfte der arbeitslosen Menschen in Österreich waren oder sind Jugendliche, die frühzeitig das Schulsystem verlassen haben. Dadurch sind nicht nur persönliche Schicksale vorprogrammiert, sondern es wird auch langfristig die gesellschaftliche Stabilität gefährdet – denn hohe volkswirtschaftliche und bildungspolitische Kosten sind die Folgen. [1]

1 Naiz-Wirth, Erna (2014): Quo vadis Bildung? Eine qualitative Längsschnittuntersuchung zum Habitus von Early School Leavers. https://www.wien.gv.at/wirtschaft/standort/pdf/quovadis-bildung-2014.pdf

Das österreichische Bildungssystem ist teuer und ineffizient.

Österreich leistet sich eines der teuersten Bildungssysteme dieser Welt. Doch die hohen Ausgaben bringen keine bessere Bildungsqualität. Und an wichtigen Kompetenzen fehlt es.

Obwohl Österreich mit jährlichen Ausgaben von 13.116 US-Dollar pro Kopf von der Volksschule bis zur Hochschule wesentlich mehr ausgibt als der OECD-Durchschnitt, sind wir in punkto Bildungsqualität weit vom internationalen Spitzenfeld entfernt. Das Geld kommt zu wenig bei den Schülerinnen und Schülern in den Klassenzimmern an.

Trotz der hohen Kosten gibt es in vielen Bereichen Mängel. So investieren wir zu wenig in erfolgsträchtige Inhalte, wie in naturwissenschaftliche oder technische Kompetenzen, die in Europa viel Potenzial haben.

Tausende Jugendliche sind ohne Chancen.

Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien oder mit Migrationshintergrund sind die Verlierer des Bildungssystems.

Kinder mit Migrationshintergrund sind im weiterführenden Schulwesen generell unterrepräsentiert. Der Anteil an nicht-deutschsprachigen Kindern in der Sonderschule liegt hingegen bei 30%. 13% der Kinder mit anderer Erstsprache als Deutsch bleiben nach Ende der Unterrichtspflicht ohne weitere Ausbildung. Zum Vergleich: Dies gilt nur für 6% der Kinder mit der Muttersprache Deutsch. Bildungsgrad der Eltern, sozialer Status und Migrationshintergrund sind immer noch wesentliche Einflussfaktoren für Erfolg oder Misserfolg im Bildungssystem. [2]

2 Steiner, Mario; Wagner, Elfriede (2007): http://www.esf.at/esf/wp-content/uploads/2011/02/DO-Strategie-Endbericht... Statistik Austria, Bildung in Zahlen 2012/13

Viele österreichische Kinder können nicht ausreichend lesen und schreiben.

Unser Land ist „Spitze“ bei den Risikoschülerinnen und Risikoschülern: Jeder fünfte 15-Jährige in Österreich kann nicht sinnerfassend lesen. Die Leistungen der Schülerinnen und Schüler werden nicht besser.

Die Leseleistungen in Österreich sind mit einem Anteil von 20 Prozent Risikoschülerinnen und Risikoschülern im internationalen Vergleich unterdurchschnittlich. Fast 19 Prozent der Schülerinnen und Schüler gehören in Mathematik und 11 Prozent in allen getesteten Bereichen zur Risikogruppe.

Die internationalen Vergleichstests TIMSS und PIRLS zeigen: Österreich hat 30% leistungsschwache Volksschülerinnen und Volksschüler in Mathematik, 21% leistungsschwache Schülerinnen und Schüler in den Naturwissenschaften und 30% leistungsschwache Leserinnen und Leser. Punktuelle Verbesserungsmaßnahmen blieben bisher ohne Wirkung. 

Bildungsaufstieg ist in Österreich eine Seltenheit.

In kaum einem anderen Land entscheidet der Bildungsstand der Eltern so stark darüber, welchen Bildungsweg Kinder einschlagen. Bildung wird in Österreich immer noch sozial vererbt. 

Österreich gehört zu jenen drei Länder in der OECD, in denen der Bildungsaufstieg am schlechtesten gelingt. Laut Statistik Austria erreicht mehr als die Hälfte (55,8%) der 25-44-Jährigen aus Akademikerinnen- und Akademikerhaushalten einen solchen Abschluss, aber nur knapp 7% aus bildungsfernen Haushalten (Pflichtschule als höchster Abschluss). 

Nur 21% der 25-64Jährigen erlangen einen höheren Bildungsabschluss als ihre Eltern. Österreich weist zudem die größte Abwärtsmobilität bei jenen auf, deren Eltern tertiär gebildet sind. Neben schlechten Chancen für Bildungsaufstieg ist Österreich somit auch „Spitze“ beim Bildungsabstieg. [4]

 

[4] Austria is also the country with the greatest downward mobility at the highest educational levels: while in all other OECD countries, at least 50% of adults with tertiary-educated parents have also attained tertiary education, only 42% of their Austrian counterparts have managed to do so.

Wenig Bildung heißt: kaum Chancen am Arbeitsmarkt.

Je niedriger die Bildung, desto schlechter sind die beruflichen Aussichten. Das Risiko arbeitslos zu sein, ist für Personen mit geringem Bildungsstand enorm hoch.

Die Arbeitslosenrate bei Personen mit Pflichtschulabschluss als höchster Bildung liegt in Österreich bei 20,5 Prozent [5]. Mit Lehrabschluss sinkt das Risiko auf 5,9 Prozent, mit Hochschulabschluss beträgt die Arbeitslosenrate nur mehr 3,2 Prozent. Das mit Abstand höchste Arbeitslosigkeitsrisiko haben jene Menschen, die keinen über den Pflichtschulabschluss hinausgehenden Bildungsstand aufweisen.

 

[5] Statistik Austria (2014): Bildungsbezogenes Erwerbskarrierenmonitoring; AMS 2014

Österreich hinkt im internationalen Vergleich immer nach.

Als Bildungsstandort hat Österreich im internationalen Wettbewerb schlechte Karten: Unser Land rangiert bei internationalen Vergleichen meist unter dem Durchschnitt.

Bei den alle drei Jahre durchgeführten PISA-Tests fällt Österreich nicht durch überdurchschnittliche Leistungen auf – im Gegenteil: Im Bereich Lesen gab es bisher nie eine Platzierung auf den ersten Rängen. Österreich schneidet meistens unterdurchschnittlich ab: 2003 belegte Österreich Platz 19 (von 29), 2006 Platz 16 (von 29), 2009: Platz 31 (von 34) und 2012 Platz 21 (von 34). [6]

 

[6] https://www.bifie.at/pisa