03. Februar 2017

Neue Schule – Neue Medien? Bildungsexperten treten für moderne Lehrinhalte und ganzheitliche Umsetzungskonzepte ein, um Chancen der Digitalisierung zu nützen.

Am gestrigen Donnerstag lud die Initiative NEUSTART SCHULE zur Bildungsarena mit dem Thema „Digitalisierung: Neue Medien – neue Schule?!“. Mehr als 150 Gäste und das prominente Podium rund um Jörg Dräger,  BMB-Gruppenleiterin Heidrun Strohmeyer und Bundesschulsprecher Harald Zierfuß diskutierten im Chaya Fuera über die notwendigen Rahmenbedingungen, um Digitalisierung im österreichischen Bildungswesen endlich ankommen zu lassen.

Der Megatrend Digitalisierung bedeutet nicht nur einen Umbruch in der Welt des Arbeitsmarktes und der Produktion, sondern beeinflusst auch das gesellschaftliche Leben und die Bildung. Entsprechende Maßnahmen im Bildungssystem sind daher ein Gebot der Stunde.

Heidrun Strohmeyer, Gruppenleiterin IT & Medien im Bildungsministerium, konkretisierte vor diesem Hintergrund die aktuelle Digitalisierungsstrategie: „Die Schule muss unsere Kinder mit den nötigen Kompetenzen ausstatten, um mit den herausfordernden und auch großteils nicht vorhersehbaren Entwicklungen der Digitalisierung ein Leben lang Schritt halten zu können. Dabei ist es mir ein besonderes Anliegen, die Umsetzung ganzheitlich und möglichst rasch anzugehen. Daher setzen wir den Fokus auch auf Inhalte, PädagogInnen und Infrastruktur.“ Einig waren sich die Podiumsgäste darin, dass es neben Medienbildung und Datenschutz vor allem auch um den richtigen Umgang mit digitalen Medien gehen müsse. Neben den Funktionsweisen von Medien sollten Kinder und Jugendliche auch verstehen, wie man mit persönlichen Daten umgeht und sich angemessen in sozialen Medien bewegt. „Besonders darauf zu achten ist, dass digitale Grundbildung wirklich verbindlich und ganzheitlich in eine neue Art von Unterricht Einzug findet. Schließlich sollen die Kinder und Jugendlichen zu aktiven Usern werden und die digitale Welt nicht bloß passiv konsumieren“, betonte NEUSTART SCHULE-Sprecherin Martina Piok. Dies benötige den Aufbau neuer Kompetenzen und eine neue Art von Unterricht.

 

Die NEUSTART SCHULE Community mit ihren rund 24.000 Unterstützerinnen und Unterstützern sieht vor allem einen durchdachten Einsatz digitaler Lehr- & Lernmittel sowie Praxisnähe und Anwendungsorientiertheit als wichtig an, um digitale Kompetenzen aufzubauen, wie eine Umfrage im Vorfeld der Bildungsarena zeigte. Bundesschulsprecher Harald Zierfuß konkret zu den Unterrichtsinhalten: „Wir brauchen eine zeitgemäße Aufklärung über digitale Medien und müssen den Informatikunterricht stärken. Es darf uns nicht passieren, dass die vermittelten Inhalte überholt sind oder in der Praxis nicht benötigt werden.“ 

 

Handlungsbedarf orteten die Podiumsgäste ebenso bei moderner Unterrichtsgestaltung. Eine Möglichkeit seien etwa „flipped classrooms“, bei denen sich Schülerinnen und Schüler Wissen zuhause über Lernvideos aneignen und im Unterricht das Gelernte hauptsächlich anwenden und üben. „Die Methode ist effizient, lässt einen individueller auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen und macht Spaß. Schon jetzt bilden sich auf Eigeninitiative 30.000 PädagogInnen an der virtuellen Pädagogischen Hochschule digital und innovativ aus“, berichtete Stefan Schmid, Pädagoge und Initiator von Flipped Classroom Austria aus seiner jahrelangen Praxiserfahrung. 

 

Neue Anreize für die Wissensvermittlung liefern auch Lernspiele, da spieltypische Elemente die Lernmotivation steigern. „Spiele eröffnen enormes Lernpotential. Kluge Lernsoftware allein recht jedoch nicht aus. Lehrende müssen zwischen virtueller und realer Welt eine Verbindung herstellen, damit der Transfer gelingen kann“, Konstantin Mitgutsch, Medienpädagoge und Gründer von „Playful Solutions“.

 

Jörg Dräger, Mitglied des Vorstands der Bertelsmann Stiftung betonte: „Wir müssen die Digitalisierung aktiv mitgestalten und sie in den Dienst der Pädagogik stellen. Wenn das gelingt, hat Digitalisierung das größte Potential, Hauptanliegen wie Chancengerechtigkeit oder Individualisierung zu ermöglichen.“ So plädierte auch Martina Piok abschließend, rasch mit der Umsetzung zu beginnen: „Dabei müssen die Rahmenbedingungen für ein System geschaffen werden, das sich – im Idealfall von selbst – an neue Entwicklungen und Notwendigkeiten anpasst. Statische Lösungen sind heute nicht mehr gefragt. Wenn uns das gelingt, sind wir endlich bei einem ‚Neustart Schule‘ angelangt.“

Links:

Ergebnisse der Community-Umfrage "Bildung & Digitalisierung"

Hier gibt’s die Veranstaltung zum Nachsehen:

Fotos:

 

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