29. März 2016

Bildung ist mehr als Schule

Wissenschaftlich gesehen ist Bildung heute als wichtigste Grundlage für eine positive individuelle, gesellschaftliche und wirtschaftliche Zukunftsentwicklung anerkannt: Bildung fördert Persönlichkeitsentwicklung und Berufslaufbahn, aber auch Wachstum und Beschäftigung, Gesundheit, Demokratie oder Integration. Dieser anerkannt hohen theoretischen Bedeutung gegenüber ist der Wert von Bildung in der österreichischen Praxis offenbar gering, was zum Beispiel mit der hohen Zahl von SchulabbrecherInnen, der geringen Neigung, in die eigene Weiterbildung zu investieren oder dem verbesserungswürdigen Image von PädagogInnen belegt werden kann. Ein erstes wesentliches Ziel künftiger Bildungspolitik muss es also sein, das Bewusstsein für die Bedeutung von Bildung zu steigern.

Dazu gehört auch, Bildung weiter und breiter zu verstehen als sie nur mit Schule und Ausbildung zu verbinden. In seiner ursprünglichen Bedeutung meint der aus dem Althochdeutschen stammende Begriff „Bildung“ die Entwicklung des Menschen im Blick auf sein Mensch-Sein. „Bildung“ bedeutet, ein Bild, eine Sicht zu haben von sich, den anderen und der Welt. Ein zeitgemäßes Verständnis sieht Bildung als lebensdienlichen Prozess, der zwischen Kindern und Jugendlichen, Eltern und PädagogInnen „life wide“ (von der Erziehung in der Familie über Schule bis zu Peers) und „life long“ (von der frühkindlichen Bildung über Kindergärten, Schulen, Hochschulen bis zur Weiterbildung) stattfindet. Der großen Bedeutung von Bildung für eine zukunftsorientierte wirtschaftliche und friedvolle Entwicklung einer Gesellschaft muss ein Recht auf Bildung entsprechen. Dieses Recht auf Bildung muss allen Kindern unabhängig von Staatszugehörigkeit oder sozialem Status zukommen. (…)

Religiöse Bildung

Die Debatte zu Ethik- und Religionsunterricht zeigt die Notwendigkeit einer vertieften Auseinandersetzung zum Umgang mit den religiösen und kulturellen Hintergründen, die SchülerInnen wie LehrerInnen in die Schule mitbringen und wie damit unter dem Fokus Bildung umzugehen ist: Religiöse/weltanschauliche Bildung ist Teil von Allgemeinbildung. Ein Nichtthematisieren bewirkt ein Übersehen von Konflikten und Bildungschancen. In diesem Zusammenhang gilt es besonders auch die interreligiösen und interkulturellen gesellschaftlichen Gegebenheiten und Veränderungen wahrzunehmen und aktiv in den allgemeinbildenden Fächerkanon einzubringen. (…)

(Aus den „Thesen“ zum Themenbereich Bildung des „Zukunftsforums“)

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Bildungsbotschafter