15. September 2015

SCHULE NEUSTARTEN: NEUSTART SCHULE FORDERT BILDUNGSREFORMEN EIN

Ein bildungspolitisch intensiver Herbst steht bevor: bis 17. November will die Bundesregierung Vorschläge für eine Reform der Schulorganisation vorlegen. In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben unsere Partner und UnterstützerInnen heute konkrete Erwartungen an die politisch Verantwortlichen formuliert und längst überfällige Bildungsreformen eingefordert. 

Die Initiative NEUSTART SCHULE lud am 14.9.2015 Partner und ausgewählte Gäste zum Bildungsgipfel „Schule neu starten“ und präsentierte als Ergebnis heute jene Forderungen, die es für eine erfolgreiche Reform der Schulorganisation in Österreich braucht. Mehr als zwanzig Organisationen und ihre Führungspersönlichkeiten – unter anderem Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Industriellenvereinigung, EduCare, Wirtschaftskammer, Bundesjugendvertretung oder das Österreichische Rote Kreuz – formulierten als ein „Miteinander der Vielen“ gemeinsame Vorschläge an die Bundesregierung zu den Themen Schulautonomie, Schulverwaltung, Elementarbildung und zur Frage, wie es nach dem 17.11. mit der Bildungsreform weitergeht.

Gemeinsam sprechen wir für fast 5 Millionen Menschen in Österreich. „Mehr Autonomie, eine moderne und schlanke Schulorganisation und eine Aufwertung der Elementarbildung“, so unser gemeinsame Tenor in Richtung der politisch Verantwortlichen.

Richtungsweisender Herbst

Die zentrale Frage ist, ob der Stillstand weiter bewahrt wird oder endlich der Aufbruch in ein neues Bildungszeitalter gewagt wird – frei von ideologischen Scheuklappen und ausschließlich den Interessen der Kinder und einer hohen Bildungsqualität verpflichtet. Die kommenden Wochen sind jedenfalls richtungsweisend für die Zukunft des österreichischen Bildungssystems, denn: „Wir wollen Freiheit für die Schulen und eine Verschlankung der Verwaltung. Wir müssen Personal und Geld von den Büros in die Klassenzimmer bringen. Und wir müssen den Pädagoginnen und Pädagogen mehr zutrauen“, so Georg Kapsch, Präsident der Industriellenvereinigung (IV) und Initiator von NEUSTART SCHULE.

Zentrale Ziele einer Neuorganisation

Wichtig ist, sich endlich einem zeitgemäßen, modernen Bild von Schulorganisation anzunähern, denn: „Schulorganisation ist nicht Selbstzweck. Sie hat zu gewährleisten, dass Bildung in hoher Qualität für alle Kinder möglich wird. Und warum muss man alles bis ins letzte Detail von oben nach unten steuern?“, so Bildungspsychologin Christiane Spiel von der Uni Wien. Diakonie-Direktor Michael Chalupka konkretisiert: „Schule ist für die Kinder da, nicht die Kinder für die Schule. Das bedeutet, Bildung in hoher Qualität für alle Kinder unabhängig von sozialem Status oder Herkunft. Denn es ist normal, dass Kinder unterschiedlich sind – deshalb ist eine Schule ohne Kinder unterschiedlicher Herkunft keine normale Schule“. Und Hannes Androsch, Begründer des Bildungsvolksbegehrens, unterstreicht „Bildung ist der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Diesbezüglich sind wir selbstverschuldet rohstoffarm. Daher sind als längst überfällige Maßnahmen eine klare Bundeszuständigkeit samt Verschlankung und Entpolitisierung der Schulorganisation vordringlich umzusetzen.“

Für die Elternvertretung ist ein Mehr an Autonomie vor allem dann sinnvoll, wenn alle Betroffenen angemessen beteiligt sind. „Das Auswählen von entsprechend qualifiziertem Personal durch SchulleiterInnen, auf Basis eines objektiven Kriterienkatalogs, kann die Entwicklung eines Standorts entscheidend voranbringen“, so Christian Morawek, Vorsitzender des Verbands der Pflichtschullehrerelternvereine. Neben pädagogischer und finanzieller Autonomie spielt für NEUSTART SCHULE auch eine wirkungsorientierte, auf die Rahmenbedingungen, Ausbildung und Finanzierung konzentrierte Steuerung des Bildungsressorts eine entscheidende Rolle im Kontext eines modernen Bildungsmanagements. „Alle Schulen müssen in Zukunft fair und gerecht finanziert  und auf sozialindizierte Schwerpunkte besonders Rücksicht genommen werden. Dies erhöht auch die Chancengerechtigkeit für alle SchülerInnen“, bekräftigt Judit Marte-Huainigg von der Caritas Österreich. Michael Landertshammer von der WKO ergänzt: „Es gibt Modelle wie die Schulträger in den Niederlanden, die aufzeigen, wie direkte Schulfinanzierung erfolgreich funktioniert – flankiert durch schlanke Supporteinheiten, die nahe an den Schulen arbeiten. Dies gilt es für Österreich umzusetzen“.

„Bei einer Neuorganisation sind die elementaren Bildungseinrichtungen, für die es eine generelle Aufwertung braucht –  vor allem in punkto Ausbildung und Zuständigkeit – selbstverständlich mit einzubeziehen“, wie Heide Lex-Nalis und Raphaela Keller betonen. „Die Qualität von Krippen und Kindergärten darf künftig nicht mehr vom Wohnort abhängen – im Bereich der frühkindlichen Bildung macht der heimische Föderalismuswahnsinn überhaupt keinen Sinn“, betont Therese Niss, Bundesvorsitzende der Jungen Industrie (JI).

Der 17.11.: Start der Bildungsrevolution

Einig sind sich alle Unterstützer jedenfalls darin, dass mit dem 17. November die Bildungsreform nicht zu Ende ist, sondern erst richtig beginnt. Dazu Othmar Karas, Präsident des Hilfswerks: „Fatal wäre, sich auf den Ergebnissen auszuruhen. Nach dem 17. November müssen die nächsten Reformschritte zu den wichtigsten Fragen des Bildungswesens erst richtig auf den Weg gebracht werden. Und Schule wird uns auch in ihrer sozialen Funktion noch stärker beschäftigen müssen.“ „Konkret geht es unter anderem darum, Bildungsziele zu definieren, die Pflichtschulqualität zu steigern, kontraproduktive Übergänge und soziale Selektion zu beseitigen und zeitgemäße Arbeitszeitmodelle für die PädagogInnen zu schaffen“, so Georg Kraft-Kinz, Obmann des Vereins Wirtschaft für Integration.

Parteiübergreifender Prozess

„Österreich braucht eine ‚Bildungsrevolution‘  – und dafür benötigt es ein gemeinsames Vorgehen der Politik mit den Betroffenen, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft“,  so die Neustart Community. Und abschließend: „Ein solcher Prozess soll noch in dieser Legislaturperiode die Weichen für eine Neukonzeption stellen. Wir schlagen vor, dass die Regierungspartner und die Bundesministerin zu einem solchen ‚Bildungssummit‘ einladen“.

>>Zum Positionspapier

UnterstützerInnen & Gäste von „Schule neu starten“:

  • Hannes Androsch, Volksbegehren Bildungsinitiative, Initiator
  • Michael Chalupka, Diakonie Österreich, Direktor
  • Karl Dwulit, Jedes K!nd, Vorstandsmitglied
  • Erwin Greiner, Bildung Grenzenlos, stv. Vorsitzender
  • Georg Kapsch, Industriellenvereinigung, Präsident
  • Othmar Karas, Hilfswerk Österreich, Präsident
  • Raphaela Keller, ÖDKH, Vorsitzende
  • Christa Koenne, Universität Wien
  • Veronika Kotzab, Wissensfabrik – Unternehmen für Österreich, Geschäftsführerin
  • Georg Kraft-Kinz, Verein Wirtschaft für Integration, Obmann
  • Michael Landertshammer, Wirtschaftskammer Österreich, Leiter Abteilung Bildungspolitik
  • Heidemarie Lex-Nalis, EduCare, Sprecherin
  • Anja Linhart, Wiener Kindertheater, Projektleitung
  • Judit Marte Huainigg, Caritas Österreich, Grundlagen und Sozialpolitik
  • Elisabeth Menasse-Wiesbauer, ZOOM Kindermuseum, Direktorin
  • Christian Morawek, Österr. Verband der Elternvereine an öffentl. Pflichtschulen, Vorsitzender
  • Therese Niss, Junge Industrie, Vorsitzende
  • Martina Piok, COOL - cooperatives offenes lernen, Koordination LehrerInneninitiative
  • Christina Planitzer, Teach for Austria, Vorstand TFA Alumniverein
  • Josef Pumberger, Katholische Aktion Österreich, Generalsekretär
  • Gerald Schöpfer, Österreichisches Rotes Kreuz, Präsident
  • Christiane Spiel, Universität Wien, Institut für Angewandte Psychologie: Arbeit, Bildung, Wirtschaft
  • Johanna Tradinik, Bundesjugendvertretung, Vorsitzende
  • Irene Varga, Köck Stiftung, Projektleitung „Initiative Neues Lernen“

Das Fotoalbum zum Durchklicken:

PK "Schule Neu Starten"

 

 

 

 

Mehr Autonomie, eine moderne und schlanke Schulorganisation und eine Aufwertung der Elementarbildung
Kategorie: 
Aktivitäten