22. Februar 2016

Vergangenen Donnerstag luden wir unsere Partner und ausgewählte Experinnen und Experten zu einem Arbeitstreffen zum Stand der Bildungsreform. Im Rahmen der Veranstaltung wurden die im November präsentierten Pakete inhaltlich diskutiert und gemeinsam Erfolgsfaktoren für eine gelungene Umsetzung erarbeitet. Diese wurden im Anschluss dem Bildungsministerium vorgestellt.

„Miteinander der Vielen“

Mehr als zwanzig Organisationen – darunter Hilfswerk, Industriellenvereinigung, EduCare, Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer, Bundesjugendvertretung – formulierten als ein „Miteinander der Vielen“ gemeinsame Vorschläge für eine erfolgreiche Umsetzung der Bildungsreform. Darunter etwa die Ausgestaltung des „Bildungskompass“ oder Details zu einer funktionierenden Schulautonomie. Anschließend wurden die Ergebnisse dem Sektionschef des Bildungsministeriums Kurt Nekula präsentiert, der mit der Umsetzung der am 17.11.2015 beschlossenen Reformpakete befasst ist. „Es wird ein richtungsweisender Frühling für die Bildungspolitik, die kommenden Monate werden zeigen, ob erkennbare Reformschritte gelingen. Wir möchten jedenfalls unsere Erfahrungen und Vorschläge einbringen, weil der Reformstau hoch ist“, so NEUSTART SCHULE Initiator Christian Friesl. Der gemeinsame Tenor in Richtung der politisch Verantwortlichen: Jetzt steht die Umsetzung der Vorschläge vom 17.11. im Vordergrund, aber danach muss es unbedingt mit den großen Bildungsfragen weitergehen.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass Österreich zu einem Land mit ausgeprägtem Bildungsbewusstsein werden muss: Wir müssen Bildungsziele definieren, die Pflichtschulqualität deutlich steigern, über eine Bildungspflicht statt der Unterrichtspflicht nachdenken, Chancengerechtigkeit schaffen und Maßnahmen gegen Schulabbruch setzen. Österreich braucht eine ‚Bildungsrevolution‘  – und dafür benötigt es ein gemeinsames Vorgehen mit den Betroffenen, der Politik, der Zivilgesellschaft und der Wissenschaft.

Im Anschluss findest Du die Ergebnisse unseres Arbeitstreffens zu den einzelnen, von der Regierung vorgelegten, Reformpaketen. 

Elementarpädagogik & Schulpaket

Die Aufwertung der Elementarbildung kann ein zentraler Erfolg der Bildungsreform werden, dazu braucht es die Finanzierung des zweiten Kindergartenjahres und die Entwicklung bundesweit einheitlicher und verbindlicher Standards für Qualität und Rahmenbedingungen. Umsicht ist jedoch bei der Konzeption des „Bildungskompass“ geboten. Das gilt für die Weitergabe sensibler Daten ebenso wie die Wahl der adäquaten Methode zur Feststellung des Entwicklungsstandes.

Außerdem sollten die verpflichtenden Kindergartenjahre mit den ersten Schuljahren systematisch verknüpft werden, um kontraproduktive Brüche zu vermeiden.

Autonomie & Bildungsinnovation

Bildung spielt sich vor Ort ab, deswegen braucht es weitgehende pädagogische, finanzielle und personelle Autonomie. Mehr Autonomie an den Schulen muss auch mit Professionalisierungs­maßnahmen und -angeboten für Schulleiterinnen und Schulleiter einhergehen. Außerdem hat das Bestellungsverfahren objektiv, ohne politische Einflussnahme und unter Mitwirkung der Schulpartner zu erfolgen.

Der Fokus bei der neuen Bildungsstiftung soll im Sinne einer zukunftsweisenden Bildungsdebatte auf neuen Entwicklungen und Trends im Lernen und Lehren sowie der Förderung von außerordentlichen Begabungen liegen. Die Mittelvergabe muss transparent und unbürokratisch abgewickelt werden.

Bildungsdirektionen & Modellregion

Die geplante Verländerung der Schulverwaltung wäre nichts anderes als die rechtliche Einzementierung der IST-Situation mit neuen Funktionsbezeichnungen und ein Etikettenschwindel. Daher muss die Politik raus aus der Schulverwaltung. Die Bildungsdirektionen sollen als Bundesbehörde etabliert werden.

Bei den Modellregionen wurden schon bald nach dem 17.11. erste Stimmen für eine Ausweitung der 15%-Grenze laut. Diskussionen um Ober- oder Untergrenzen bringen uns aber hier nicht weiter. Stattdessen plädieren wir für alternative und schülerInnenzentrierte Kriterien, damit die Modellregion auch wirklich eine organische Einheit mit einem sinnvollen Einzugsgebiet wird (z.B. soziale Durchmischung).

Parteiübergreifender Prozess

Einig sind sich alle Unterstützer darin, dass nach der Umsetzung der Vorschläge vom 17.11. die Bildungsreform nicht zu Ende ist, sondern erst richtig beginnt, nämlich mit inhaltlichen Reformüberlegungen.
Den ausführlichen Katalog an Erfolgskriterien werden wir umgehend den politisch Verantwortlichen zukommen lassen. Selbst der Sektionschef Nekula meinte, dass es den Druck der Zivilbevölkerung braucht, um endlich die politisch „heißen Eisen“ - etwa die Machtfragen zwischen Bund und Ländern - klären zu können.

Als NEUSTART SCHULE möchten wir genau diesen Druck aufbauen und stehen weiterhin für eine kritische, aber konstruktive Zusammenarbeit zur Verfügung.

>> Zu den Ergebnissen 

Fotoalbum (Klick rechts auf das Foto):

Partnerkonferenz "Energie für die Bildungsreform"

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