27. Oktober 2014

Es fällt auf, dass die öffentliche Debatte um die Schulpolitik in Österreich immer noch ohne den Gedanken der Inklusion stattfindet. Die Maxime muss aber lauten: Eine sonderbare Schule ist nur jene Schule, wo keine Kinder mit Behinderung unterrichtet werden. Inklusive Bildung ist nicht etwas, was wir uns leisten sollten, sondern etwas, von dem alle profitieren. Die Schwächeren lernen von den Stärkeren, und die Stärkeren profitieren von den speziellen Lernsituationen und entwickeln soziale Kompetenzen, die später im Arbeitsleben gebraucht werden.

Derzeit gibt es noch viele Lücken in der inklusiven Bildung – zum Beispiel sind Kinder mit Behinderung vom verpflichtenden Kindergartenjahr ausgenommen. Die Nachmittagsbetreuung an Schulen wird zudem nur ohne Integrations-Stützkraft angeboten, so dass Kinder mit Behinderung nur bis 13:00 Uhr in die Schule gehen können. Und auch der Besuch von integrativen Klassen ist per Gesetz nur neun Jahre möglich - integrativ geführte Oberstufen werden derzeit nur als Schulversuch in wenigen Schulen geführt. Und es bestehen große regionale Unterschiede. Die Integrationsquoten, die angeben wie viele Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf gemeinsam mit anderen Schülern unterrichtet werden, variieren stark zwischen den Bundesländern.

Mit der Neugründung einer Diakonie-Schule in Wien Donaustadt zeigen wir unser Engagement im Bereich Integration und Inklusion: Das Schulgebäude wird im Hinblick auf die Inklusion von SchülerInnen mit Behinderung erbaut. Gemeinsamer Unterricht aller 10 bis 14jährigen ist selbstverständlich. Bewegung in die Bildungspolitik – das heißt auch, sich für die seit Jahren anstehenden Reformen im integrativen Unterricht stark zu machen.

Pfarrer Mag. Michael Chalupka (Direktor, Diakonie Österreich)

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Bildungsbotschafter