17. März 2017

Die Reform der Schulautonomie – die Details im Überblick

 

Die Regierung hat am 17. März 2017 nach langen Verhandlungen die Pläne zum Schulautonomie-Paket präsentiert, womit eine Begutachtungsfrist von 6 Wochen beginnen kann. Da einige der vorgeschlagenen Gesetzesänderungen auch das Verfassungsrecht betreffen, wird für die Umsetzung dieser Bestimmungen eine Zweidrittel-Mehrheit im Parlament benötigt. Das bedeutet: die Grünen oder die FPÖ müssen diesen konkreten Regelungen zustimmen.

Wir haben für Euch die Details der Reform unter die Lupe genommen und zusammengefasst, was das für Österreichs Schulen bedeutet:

 

Bildungsdirektionen:

Die Bildungsdirektionen sollen als „Mischbehörde“ Landes- und BundeslehrerInnen gemeinsam verwalten, die Schulaufsicht sowie Qualitätssicherung übernehmen und die Landesschulräte ablösen.

  • Die Länder können die Zuständigkeit für die Kindergärten an die Bildungsdirektionen übertragen.
  • Die Verrechnung der LehrerInnen soll nun über das Bundesrechenzentrum vereinheitlicht werden und dadurch einen besseren Überblick über den Einsatz der PädagogInnen geben.
  • Auch mit den Bildungsdirektionen besteht die Gefahr, dass die Schulen in parteipolitischer Hand bleiben. Die Landeshauptleute können per Landesgesetz zu Präsidenten der Bildungsdirektionen ernannt werden und verfügen somit über Weisungsrecht. Damit würde die Möglichkeit zur politischen Einflussnahme an den Schulen weiter bestehen bleiben.

Mehr Freiheit in der Unterrichtsgestaltung:

Die Schulen bekommen mehr Entscheidungskompetenz in der Unterrichtsgestaltung und können den Unterricht so besser an die Bedürfnisse des Standorts anpassen.

  • Die Dauer der Unterrichtseinheiten soll flexibel eingeteilt und Unterrichtsgegenstände fächerübergreifend zusammengefasst werden können. z.B. können so Chemie, Biologie und Physik zu „Naturwissenschaften“ gruppiert werden. Dadurch kann beispielsweise Projektunterricht besser gestaltet werden. Mehr Freiheiten gibt es auch bei der Festlegung der Öffnungszeiten, die von den Schulpartnern festgelegt werden sollen.
  • Die Größe der Klassen und Gruppen soll fortan von der Schulleitung bestimmt und so je nach Bedarf am Schulstandort angepasst werden. Die Ressourcen dafür bleiben gleich.
  • Fraglich ist, wie weit die Autonomie am Standort tatsächlich reichen wird, da die Mitwirkungsrechte der Schulpartner im Bereich der Unterrichtsorganisation äußerst weit gefasst sind.

 

Schulcluster und Entscheidungsfreiheiten für SchuldirektorInnen

Künftig können sich zwei bis acht Schulen unter gewissen Voraussetzungen zu Schulclustern zusammenschließen. Dabei werden auch neue Posten entstehen: Schul-ClusterleiterInnen, die organisatorische und führende Aufgaben für den gesamten Cluster übernehmen sowie Bereichsleitungen als Ansprechpersonen in den einzelnen Schulen vor Ort.
Ziel dessen ist es, Ressourcen besser zu nutzen, Übergänge zu erleichtern und Lehrkräfte bei Bedarf auch an anderen Clusterschulen unterrichten zu lassen.

Heftig diskutiert wurden die Auswirkungen auf das Dienstrecht und die Zulagen der bisherigen DirektorInnen.
DirektorInnen, die durch die Clusterbildung ihre Leitungsfunktion aufgeben müssen, werden schließlich noch weitere 6 Jahre lang Zulagen erhalten (davon drei Jahre volle Bezüge, danach mit jährlichen Abschlägen). Die Zulagen für die neu geschaffenen Clusterleitungen und Bereichsleitungen unterscheiden sich - wie auch die Direktorenzulagen bisher – je nach Klassenanzahl, Dienstjahren und Dauer der Funktion. Das bedeutet auch, dass Clusterleitungen aufgrund der größeren Klassenzahl höhere Zulagen als bisherige SchuldirektorInnen erhalten werden.

  • Die Schuldirektionen bekommen mit dem neuen Reformpaket mehr Entscheidungsmöglichkeit: Sie wählen ihr Personal nun selbst aus und können Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen je nach Bedarf ihres Standortes anfordern.
  • Die Ernennung von SchuldirektorInnen und Schulclusterleitungen soll nach einem standardisierten Verfahren unter Einbeziehung einer Begutachtungskommission erfolgen. Durch die Besetzung der Begutachtungskommission besteht jedoch die Gefahr der Einflussnahme bei Direktorenbestellung.

 

Wir von NEUSTART SCHULE freuen uns vor allem über den geplanten Freiraum in der Unterrichtsgestaltung sowie die Entscheidungskompetenz der Schuldirektionen bei der Bestellung von Lehrpersonal und der Auswahl von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen. Mit dem Autonomiepaket kann ein erster wichtiger Schritt in Richtung echter Autonomie gesetzt werden. Dennoch besteht die Gefahr, dass die neue Behördenorganisation durch die Einführung der Bildungsdirektionen die bestehenden Strukturen fortsetzt.  Es bleibt zu hoffen, dass das Reformvorhaben in seiner Umsetzung praktikabel ist und von den PädagogInnen mitgetragen wird.  Um „echte“ Autonomie für Österreichs Schulen zu schaffen, bedarf es unbedingt weniger Bürokratie und politische Einflussnahme am Schulstandort sowie finanzielle Autonomie.

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