26. September 2017

„Wählen wir Bildung!“ – Politische Bildungsprogramme im Praxischeck
Im Rahmen der „Neustart Schule Bildungsarena Wahl Spezial“ diskutierten am 25. September 2017 VertreterInnen aus Politik und Praxis mit der Community zum Motto „Wählen wir Bildung“. Im Fokus der Diskussion in der Albert Hall stand die Relevanz von Bildungsthemen im aktuellen Nationalratswahlkampf sowie die bildungspolitischen Vorhaben der antretenden Parlamentsparteien. 

Wahlkampf heißt bekanntlich: verkürzte Botschaften und viele Versprechen im Fang um Wählerstimmen. Die Vorhaben der Parteien sollten im gewählten Format daher durch ein Praxispanel bestehend aus 2 SchülerInnen, 2 PädagogInnen sowie einem Elternteil genauer unter die Lupe genommen werden.
Unter Moderation von Petra Stuiber (Der Standard) präsentierten die Politikerinnen und Politiker der wahlwerbenden Parteien in einem 4-minütigen Pitch die wichtigsten Punkte ihrer Bildungsprogramme. Nachdruck kam dabei von der Neustart Schule Community, von der im Rahmen der Community Umfrage immerhin mehr als die Hälfte angab, dass gute Bildungsprogramme sehr ausschlaggebend für ihre Wahlentscheidung seien. Elisabeth Grossmann, Bildungssprecherin der SPÖ, sprach sich etwa für eine Stärkung der Elementarpädagogik aus, unter anderem durch die Eingliederung des Ressorts in das Bildungsministerium. Sigrid Maurer, Wissenschaftssprecherin der Grünen, unterstrich zudem die Tatsache, dass Bildung ein Menschenrecht sei. Ein Ziel stehe dabei über allem: größtmögliche Freiheit und Selbstbestimmung für jeden einzelnen. Priorität für die FPÖ, vertreten durch den Bildungssprecher Wendelin Mölzer, habe ein leistungsbezogenes System sowie der Fokus auf Deutschkenntnisse um dem Unterricht folgen zu können – erreichen möchte er dies unter anderem mittels Sprachstandserhebungen, die auch Einzug in den Mutter-Kind-Pass finden müssten. Bettina Rausch, Abgeordnete zum NÖ Landtag für das Team Kurz (ÖVP) betonte, dass Schulpflicht nicht mehr das Absitzen von Schuljahren bedeuten dürfe – am Ende der Pflichtschulzeit müsse ein verlässliches Wissens- und Kompetenzniveau erreicht werden. Darüber hinaus sprach sie sich für Investitionen in frühen Bildungsstufen aus, anstelle späterer kostspieliger Reparaturen. Die Polit-Pitches komplettierte Christoph Wiederkehr, Jugendvertreter der NEOS, mit seinem Plan die Schulautonomie und damit die Freiheit für Schulen weiter auszubauen. Derzeit sei der Pflichtschulbereich der Brennpunkt für die Zukunft.
Im Anschluss an die politischen Statements unterzog das Praxispanel die politischen Vorhaben einem „Reality Check“ aus Sicht von SchülerInnen, PädagogInnen und Eltern.
Das Urteil fiel teilweise durchaus kritisch aus, besonders die beiden Schüler, Asja Ahmetovic (16 Jahre) und Simon Nehrer (18 Jahre), betonten mit Nachdruck: „Alles was Sie machen ist eine Symptombekämpfung in einem System ist, das längst ausgedient hat.“ So sei etwa die Demokratisierung innerhalb der Schule ausgesprochen wichtig, genauso wie der Wunsch nach echter Individualisierung, die SchülerInnen wieder weniger vergleichbar machen solle.
Den beiden PädagogInnen Martina Piok (BHAK Wien 12) und Nicole Ruckser (Elementarpädagogin) fehlte die große Vision in den Bildungsprogrammen der Parteien. Eine Qualitätsoffensive in der Elementarbildung sei zweifellos mehr als notwendig, jedoch müssten den jahrelangen Ankündigungen auch endlich Taten und Umsetzungen folgen. Wichtig sei dafür die – echte – Einbindung von Expertinnen und Experten aus der Praxis bei politischen Reform- und Umsetzungsvorhaben. Die Sicht der Eltern wurde durch Michael Hufnagl (Journalist) eingebracht. Er äußerte seinen Unmut über die Tatsache, dass nach wie vor Schwächen im Mittelpunkt der Bildungskarrieren stünden, anstelle von Talenten und Stärken. Er sprach sich für einen breiten Dialogprozess zwischen allen handelnden Akteuren und Betroffenen aus, um sich über die gemeinsamen Zielvorstellungen von Bildung in Österreich zu einigen.
Der diskussionsintensive Abend nahm sein Ende mit einem Positionscheck zu fünf unterschiedlichen Kernthemen um Gemeinsamkeiten der politischen Parteien abzubilden. Einigkeit herrschte am Podium bei der Bereitschaft, sich in einem breit angelegten Dialogprozess über die Zielvorstellungen für Bildung zu engagieren, sowie der Notwendigkeit einer Qualitätsoffensive im elementaren Bildungsbereich. Ebenso gab es überraschende Einigkeit bei der Frage zur Einführung einer Bildungspflicht anstelle der Pflichtschulzeit. Auseinander gingen die Meinungen bei einem um die Elementarbildung ergänzten Bildungsministerium: Bettina Rausch erteilte eine klare Absage mit Hinweis auf das Subsidiaritätsprinzip. Auch das Thema einer Erhöhung der finanziellen Ressourcen fand keine einhellige Zustimmung. Wendelin Mölzer etwa sah durchaus die Möglichkeit, das Bildungssystem mit den aktuell zur Verfügung stehenden Mitteln zu reformieren.
Am Ende des Abends steht ein gemeinsames Fazit: Bildung muss mehr Bedeutung in der öffentlichen Meinung erlangen und einer neuen Regierung steht jede Menge Arbeit bevor. Diese Arbeit muss zukunftsorientiert, dialogorientiert und unter Einbeziehung der Betroffenen (PädagogInnen, SchülerInnen, Eltern) erfolgen.

 

Die Community-Umfrage zum Nachsehen

 

Die Veranstaltung zum Nachsehen

 

 

Fotos der Veranstaltung

 

 

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