04. Juli 2017

Bewegte Bildungsnation - Bildungsexperten plädieren auf gemeinsame Ziele

Am 4. Juli lud die Initiative Neustart Schule zur Bildungsarena mit dem Thema „Bewegte Bildungsnation - Aufbruch oder Stillstand?“. In der VHS Urania diskutierten mehr als 60 Gäste über die Reformbemühungen der vergangenen Legislaturperiode und über notwendige Maßnahmen die für einen Qualitätsschub in der Bildung dringend angegangen werden müssen. Unter ihnen befanden sich Vertreterinnen und Vertreter der Wissenschaft, Politik, aus der pädagogischen Praxis sowie Unterstützerinnen und Unterstützer der Initiative NEUSTART SCHULE.

Kurz vor der parlamentarischen Sommerpause konnte das Autonomiepaket nach langen Verhandlungen beschlossen und einige Reformvorhaben umgesetzt werden. Nun geht es für die einzelnen Parteien darum, sich bildungspolitisch im Wahlkampf zu positionieren und ihre Inhalte klarzulegen, wie es in Zukunft weitergehen kann. Der Ansatz, wie Diskussionen um zukünftige Reformmaßnahmen geführt werden, wird ein zentrales Element der Bildungspolitik darstellen.

Was bisher geschah:

Das Autonomiepaket stieß auf Widerstand seitens der Elternvertretung und der Lehrergewerkschaft. Für Kurt Nekula, Sektionschef Allgemeinbildung im Bildungsministerium, stellt es jedoch einen großen Erfolg dar. Die Reformen bräuchten jedenfalls Zeit bis Ergebnisse sichtbar werden. Von einem „kleinen Schritt in die richtige Richtung“ sprechen hingegen Wolfgang Feller von der Agenda Austria, sowie Heidi Schrodt, Initiative Bildung Grenzenlos.

Wie kann es nun weitergehen?

Einigkeit herrschte am Podium bei der Frage nach der Art und Weise, wie zukünftig Reformmaßnahmen in Angriff genommen werden müssen: mit Visionen und gemeinsamen Zielen beginnen, erst dann Rahmenbedingungen und konkrete Maßnahmen setzen. Und selbstverständlich gehören Kinder und Jugendlich in den Mittelpunkt der Diskussionen. Das sind auch die Kernanliegen der Community, die im Vorfeld der Bildungsarena wieder abgestimmt hat (Ergebnisse siehe Link unten). Dazu Christian Friesl, Initiator von Neustart Schule: „Die Vision, wie wir uns Bildung in Österreich vorstellen, muss über Legislaturperioden hinweg Bestand haben. Darüber müssen sich alle Gestalterinnen und Gestalter einig sein.“, und verwies auf die von Neustart Schule koordinierte Veranstaltungsreihe Österreich macht Schule. Der Bildungsdialog. In diesem Prototyp für eine neue Dialogqualität konnte der Beweis erbracht werden, dass es breite Zustimmung zu einem gemeinsamen Zielkorridor gibt – trotz unterschiedlicher Herkunft und Interessenslage der mehr als 160 TeilnehmerInnen. Für die neue Legislaturperiode fordert Neustart Schule daher einen breit angelegten Bildungssummit, der die Grundlage für sämtliche weiterführende Strategien darstellen soll.

Christiane Spiel, Bildungspsychologin an der Universität Wien, spricht sich außerdem für eine qualitätsorientierte Professionsvertretung für PädagogInnen aus, die neben bzw. gemeinsam mit der Interessensvertretung für einen Imageschub sorgen und die Professionalisierungs- und Weiterentwicklungsperspektive stärken soll. Paul Kimberger sieht diese Rolle allerdings bereits durch die Lehrergewerkschaft erfüllt.

Welche Themen dürfen in einem künftigen Regierungsprogramm auf keinen Fall fehlen?

Unterschiedliche Ansätze gab es bei jenen Themen, die jetzt jede zukünftige Regierung angehen muss. So fordert Paul Kimberger dringend mehr finanzielle Mittel für die Schulen um den Pädagoginnen und Pädagogen die benötigte Unterstützung bieten zu können, denn, „das österreichische Bildungssystem ist grob unterdotiert.“ Aber mehr Geld im System steigert nicht zwingend die Qualität, meint hingegen Wolfgang Feller: „Ziel muss es sein, Geld dorthin zu lenken, wo es gebraucht wird.“

Christiane Spiel betonte die Notwendigkeit einer qualitativ hochwertigen Ausbildung für Pädagoginnen und Pädagogen und einer Qualitätsoffensive im Bereich der Elementarbildung. Genau dort sei nämlich mit dem größten Return on Investment zu rechnen. Zukünftige Reformmaßnahmen bräuchten in jedem Fall einen Implementierungsplan um Maßnahmen einerseits sinnvoll auf- und andererseits professionell umzusetzen.

Für Heidi Schrodt und Christian Friesl - beide bei Neustart Schule engagiert - ist klar, dass die neue Regierung auf zwei Ebenen anpacken muss: inhaltlich und prozessual. Inhaltliche Punkte seien etwa eine verlässliche Grundbildung am Ende der Pflichtschulzeit, zeitgemäße Inhalte mit modernen Unterrichtssettings und verstärkte Integrationsbemühungen im Bildungsbereich, etwa mit durchgängiger Sprachförderung ab dem Kindergarten. Aber wir müssen uns auch wirklich Gedanken machen, wie man die Dialog- und damit Ergebnisqualität in zukünftigen Reformvorhaben steigern kann. Hier steht Neustart Schule mit allen Unterstützerinnen und Unterstützern gerne als Partner zur Verfügung.

Es wird in Zukunft notwendig sein, ein gemeinsames Ziel für Bildung zu verabschieden, so der Tenor unserer Podiumsgäste. Nur wenn man von ideologischen Positionen abrückt wird der „Aufbruch zur Bildungsnation“ möglich sein. 

 

Links:

Ergebnisse der Community-Umfrage

Hier gibt’s die Veranstaltung zum Nachsehen:
(wir entschuldigen uns für die schlechte Tonqualität zu Beginn der Übertragung ☺)

 

Fotos:

 

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Bildungsbotschafter