13. Januar 2015

Der Begriff „Bildung“ stammt aus dem Althochdeutschen und wird u.a. von dem Wort „Schöpfung“ abgeleitet. Hierbei geht es weniger um das Anhäufen von Erlerntem, als vielmehr um die Freude am Menschsein und –werden, um das Erlernen von Gelassenheit. Im Mittelalter war das Ideal dabei, Gott ähnlich zu werden. Heute, in seiner modernen Neubestimmung, geht es bei dem Begriff „Bildung“ wohl eher darum, das Werk seiner selbst zu werden, in einem Prozess nicht nur Wissen, sondern auch soziales Denken und Kommunizieren zu verinnerlichen. Die Schule soll kein trostloser Aufbewahrungsort sein, an dem unsere Kinder verwaltet werden, sondern ein Hort kreativer und intellektueller Inspiration, in dem mit Lust und Freude Wissen vermittelt und begreifbar gemacht wird. Dazu gehört ebenso wie Mathematik, Geschichte und die Sprachen das schöpferische Element: Musik, bildnerische Kunst, Theater, Handwerk sind ebenso wichtige Puzzleteile für die ganzheitliche Persönlichkeitsbildung wie die klassischen Unterrichtsgegenstände und Sport. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass die Konzentrationsfähigkeit und die soziale Kompetenz signifikant ansteigen, sowie die Synapsenbildung im Gehirn gefördert wird, wenn Kinder und Jugendliche Theater spielen. Am deutlichsten kann man dies bei Kindern im Volksschulalter beobachten. Aber auch in der Pubertät und danach können die sozialen Fähigkeiten und die Aufmerksamkeitsspanne, sowie die Lust an Sprache und am Kommunizieren (auch als Gewaltprävention) deutlich gesteigert werden. Bildung bestimmt die individuellen Lebenschancen und die Zukunft einer modernen Gesellschaft. In Österreich bleibt leider bisher die soziale Herkunft ihr wichtigster Bestimmungsfaktor. Wir müssen uns fragen, wohin wollen wir? Wen nehmen wir mit? Können wir es uns überhaupt leisten, jemanden zurück zu lassen? Was verlieren wir dabei? Abgesehen davon, dass es ein Recht auf Bildung gibt, entstehen dem Staat und damit der Gesellschaft durch die Chancenungleichheit und die mangelhafte Talentförderung derzeit Schäden in Millionenhöhe. Österreich liegt mit rund 18 % Hochschulabsolventen weit unter dem OECD-Schnitt von 28 %. Laut einer OECD-Studie bringen die Steuerabgaben von Akademikern durchschnittlich doppelt so viel ein, wie sie den Staat für die Ausbildung kosten. Es rechnet sich also für jeden, in Bildung zu investieren. Ein gutes Bildungssystem ist kostbar, ein schlechtes viel zu teuer. Dipl.Pol. Anja Linhart, Projektleitung Wiener Kindertheater und Verein „Schule für das Leben“

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Bildungsbotschafter